Amateurfunk

Einer meiner Kinderträume - der ganzen Welt guten Tag sagen!!!


Ich war schon von klein auf fasziniert davon Radiosender aus aller Herren Länder zu empfangen und hing im Alter von 12 Jahren mit Vorliebe vor dem alten Kurzwellenradio meiner Großmutter, fragte mich aber zugleich weshalb man Radio Peking hier in Deutschland so lautstark hört?!


Auf einem Spaziergang durch unser Dorf Ilverich in Meerbusch am Niederrhein entdeckte ich eine riesige Antennenanlage, die mich immer wieder wie ein Magnet anzog. Mehr und mehr betrachtete ich sie intensiver und mein großes Interesse an diesem "Turm" wurde vom Besitzer bemerkt. Als ich erfuhr, dass es sich um einen Funkamateur handelt, der erstaunlicherweise mit der ganzen Welt sprechen konnte, war ich perplex! Mir war zum damaligen Zeitpunkt unbegreiflich, wie so etwas Tolles zustande kommt und wollte dies unbedingt miterleben, denn, dass man die Welt "hören" konnte war mir ja nun klar! Ich nahm zunächst telefonischen Kontakt mit ihm auf und wurde dort zu meiner Freude eingeladen. Beim Anblick seiner Sendestation und der großen Wand mit vielen bunten Karten staunte ich nur noch! Da ich sehr gespannt war, animierte ich ihn einmal zu rufen, denn es war mir völlig neu, dass sich die Möglichkeit bot selbst mit der Welt zu kommunizieren. Auf seinen Ruf kam eine laute und kräftige Stimme zurück, so dass der Eindruck entstand "Er steht neben Dir". Es war ein Indonesier!!! Ich kam aus meiner Verwunderung nicht mehr heraus. Zu Hause erzählte ich in detaillierter Ausführung was geschehen war und ließ meine Mutter mit selbem Atemzug wissen, dass ich das irgendwann auch machen möchte!

Tja, dieser Kindertraum hat sich mit viel Kraft und Ausdauer bewahrheitet! Zunächst brachte mein Vater Ende der 70'er Jahre ein Handsprechfunkgerät als Werbegeschenk mit aus seinem Büro, dass Thorsten, mein Bruder und mich sehr faszinierte! Da ich meine Hände nicht so gut unter Kontrolle hatte drückte ich die Sprechtaste mit den Knien. Leider rief ich oft vergebens, da offensichtlich meine Ausgangsleistung zu schwach war. Auf meiner Wohngruppe des Internates in Wetter-Volmarstein hatte einer meiner Freunde ein CB-Funkgerät, welches mich natürlich sofort interessierte! Ich kaufte ihm ein Funkgerät ab und brachte es mühsam mit dem Zug nach Düsseldorf, wo mich Mutter jeden Freitag vom Hauptbahnhof abholte. In der Eile hatten wir an das hinten rechts abgestellte Gerät nicht mehr gedacht und beim Zurücksetzen des Autos gab es einen Krach - und mein erstes Funkgerät war hinüber! Aufgrund meiner großen Enttäuschung bekam ich im Oktober '82 ein Handsprechfunkgerät, mit welchem ich jedoch auch keine großen "Sprünge" machen konnte, da die Entfernung zu anderen Funkern zu groß war.

Im März 1983 erwarb ich ein CB-Funkgerät von einem Betreuer aus Volmarstein, der jeden Montag ein kleines Funktreffen veranstaltete. Zu Hause wurden die nötigen Vorkehrungen getroffen, sodass ich nach anfänglichen Schwierigkeiten jedes Wochenende meinem neuen Hobby frönen konnte. Ich wurde Mitglied im "FFM" (Freie Funker Meerbusch) und kam dadurch mit vielen Gleichgesinnten in Kontakt. Meine Freunde, vorrangig Franz, Marder 01, und Manfred, Zwiebelvater, halfen mir bei der korrekten Installation meiner Antenne! Es begann eine schöne Zeit, in der man sich gegenseitig besuchte und viel zusammen erlebte! Der CB-Funk brachte mir nicht nur die reine Kontaktknüpfung, sondern auch eine Art der Therapie, da sich meine Artikulationsweise stark verbesserte. Leider nahm etwa Anfang '85 der Betrieb und damit meine Möglichkeit zur Diskussion im CB-Funk-Bereich immer mehr ab, und ich verspürte keine Lust mehr zu funken. Fast jeder meiner Freunde baute seine Station ab, folglich fand ich immer weniger Diskussionspartner!

In dieser Zeit, die von etwas Langeweile geprägt war, sprach mich ein Betreuer meines Internates an, ob ich Interesse an einem Funkertreffen hätte. Mit großer Aufregung fuhr ich mit und stellte zu meinem Erstaunen fest, dass es sich um Funkamateure des Ortsverbandes O07, Sprockhövel handelte. Ich lernte mit der Zeit einen Funkamateur kennen, welcher mein großes Interesse an seinem Metier erkannte. Nach längerer Unterhaltung mit Arnt, DD 1 DN, war er der Meinung, ich solle die Lizenz zum Funkamateur machen. Ganz perplex erwiderte ich ihm, dass ich nur wüsste, dass man nicht mit dem Finger in die Steckdose fassen darf. Er gab mir zu verstehen, dass er vorher auch nicht mehr gewusst hatte und mir helfen würde. So begann ich mich auf die Prüfung vorzubereiten und kaufte mir die Bücher, und die Paukerei konnte beginnen. Zum Erlernen der Betriebstechnik nutzte ich meinen FRG 7700 von Yaesu, den ich schon seit '82 hatte. Mit ihm hörte ich sehr viele Gespräche von Funkamateuren. Unter anderem hörte ich VK 4 DHF, dem ich einen Empfangsbericht sendete, worauf eine QSL-Karte zurückkam. Manchmal treffe ich ihn heute noch und spreche mit ihm. Arnt gab mir nach einigen Übungsstunden zu verstehen, dass in Oberwesel ein Lehrgang in rollstuhlgerechter Umgebung stattfindet. Als die finanzielle Beteiligung seitens meiner Mutter klar war, erfuhr ich, dass die Technik, vor der ich offen gestanden Angst hatte, von Grund auf gelehrt wird, sodass ich mich erst einmal verstärkt auf die Gesetzeskunde und auf die Betriebstechnik konzentrieren konnte.


Nach achtmonatiger harter Arbeit fuhr ich mit "vollgestopftem" Kopf nach Oberwesel. Meine Mutter half mir beim Einräumen der Kleider, gab mir einen Kuss, wünschte mir Glück und fuhr heim. Ein Lehrer nahm mich mit in den Unterrichtsraum, wo wir 14 Teilnehmer 10 Stunden des Tages lernten, lernten, lernten. Obwohl Pausen dazwischen waren, war es sehr, sehr hart. Da die Technik vorrangig war, wurde sie dementsprechend über den Tag verteilt und die Telegrafie wurde nur einmal am Tag gelehrt. Da ich mir den Lernstoff seit November 1985 angeeignet hatte, war ich in der glücklichen Lage, den anderen, die nichtbehindert waren zu helfen. Ich empfand es als wunderbar, dass sie mich baten sie abzufragen, woran ich meine volle Akzeptanz merkte! Abends saßen wir müde und abgespannt in der Hauscafeteria und diskutierten noch einmal die Themen des Tages. Der eine oder andere wollte noch etwas erklärt wissen, was er am Tage nicht verstanden hatte. Der Lehrgang dauerte 20 Tage und es herrschte eine sehr gute Kollegialität unter den Teilnehmern als auch zu den Lehrern. Morgens ging es um 6 Uhr raus und da für mich die Möglichkeit bestand, alles soweit alleine zu machen, half mir mein Zimmerkollege Arno lediglich beim Waschen der Haare.

Wenn ich zum Frühstück kam, erwartete mich Chris, DL 3 KBB. silent key, um mir die nötige Hilfestellung zu geben. Eines Morgens begrüßte er mich mit "Hallo Tiger". Auf meine Frage hin, wie er auf diesen Namen kommt, gab er mir zur Antwort, dass ich immer voll ins Brot beiße und der "Tiger" wäre zutreffend. Von dem Tage an wurde ich Tiger gerufen! Nach 10 Tagen versuchte ich, mit dem Fuß zu telegraphieren, denn ich habe meinen rechten Fuß besser unter Kontrolle als die Hände, jedoch ist er nicht gerade für das Telegrafieren geboren. Chris war der Auffassung, wenn ich es lerne, Morsezeichen zu hören, hätte ich die Chance, die A- oder sogar die B-Lizenz zu machen! Ich kann über eine Tastatur "geben" und brauche nur hören und verstehen zu lernen. Der Tag der Wahrheit rückte immer näher! Am 31.07.1986 um 9.00 Uhr kamen die Prüfer der Oberpostdirektion Koblenz. Als erstes wurden die Anwärter der Genehmigungsklasse A in Telegraphie geprüft, dann die der Klasse B. Dann wurden alle drei Lizenzklassen in Gesetzeskunde, Betriebstechnik und Technik geprüft! Es vergingen 2 3/4 Stunden, bis ich an die Reihe kam, und ich war so nervös, dass ich bald aus meinem Rollstuhl fiel. Um 11.34 Uhr war es dann endlich soweit. Ich wurde in die "Höhle des Löwen" gebeten. Da saßen drei erwartungsvolle Prüfer und waren scharf auf mein Wissen. Zum Glück wurde ich von Chris im Beisein der Prüfer befragt, so dass mein Nervositätspegel etwas sank. Ich beantwortete jede Frage richtig und die Augen der Prüfer wurden immer größer. Nach 20 Minuten stand der eine Prüfer auf, reichte mir die Hand, gratulierte mir zur bestandenen Lizenzprüfung und gab mir meine Lizenzurkunde der Klasse C mit dem Rufzeichen DB8EP!!!

Übergabe der C Lizenz

Ich konnte die Freude über den Erfolg, den ersten Berg meines Traumes erreicht zu haben gar nicht in Worte fassen! Als ich herauskam, umarmte ich jeden, dem ich in die Quere kam und rief sofort meine Freundin Elke und meine Mutter an, die mir das ermöglichte. Abends saßen wir zusammen, feierten unseren Erfolg und waren froh, dass die Paukerei ein Ende hatte.

Am 10.10.1986 bauten mir Paul, DG 8 JA, und Andreas, DL 2 EAD, die Station auf: Transciver Icom 271 E, als Antenne eine 2x9-Element-Kreuzyagi. Ich freute mich sehr, dass meine Artikulation so gut akzeptiert wurde! Mein Mikrophon bediene ich heute noch mit dem rechten Fuß und den Transciver mit der rechten Hand, was etwas schwierig ist, aber es klappt. Durch die C-Lizenz habe ich viele liebe Freunde in ganz Deutschland gewonnen. Ich wurde sehr gut in die Gesprächsrunden integriert und die Verständlichkeit meiner Artikulation verbesserte sich stark!


Seit Mai 1987 beschäftigte ich mich intensiver mit der Telegraphie. Der letzte Berg zur Vollendung meines Kindertraumes wollte unbedingt bezwungen werden. Mit sehr viel Energie und Ehrgeiz hörte ich per Kassette die ersten Zeichen. Nach 10 Minuten dachte ich, das "Gepiepse" lernst du nie, aber die Herausforderung mit der ganzen Welt in Kontakt treten zu können war stärker! Nach mehrmaligen Anfängen drehte ich etwa Ende September 1987 über das 2-Meter-Band und entdeckte plötzlich Telegrafiezeichen, die mir in ihrer Gebeweise etwas komisch vorkamen. Es kristallisierte sich ein Morsekurs heraus, den ich geduldig abwartete. Etwas aufgeregt meldete ich mich hinterher und stellte mich vor, um mein Interesse an den Klopfzeichen kund zu tun. Der Kursleiter Georg, DL 1 ECG und ich unterhielten uns und wir sprachen über meine Behinderung, worauf ich ihm zu verstehen gab, dass ich nicht mitschreiben kann. Resultierend daraus wurde später in Verbindung mit der damaligen Oberpostdirektion festgelegt, dass ich drei Zeichen hintereinander gegeben bekomme, die ich dann sprachlich wiedergebe ("Dreiergruppen"). Georg und ich vereinbarten jeden Freitag zu lernen, da ich während der Woche im Internat und nur am Wochenende zu Hause bin. Manchmal fanden wir auch samstags oder sonntags Zeit zum Üben.


Unser Einzeltraining untermalten wir mit Witzen und Gags, was das Lernen erleichterte. Nun wollte ich während der Woche über im Internat nicht untätig sein und bekam einen Morsekurs im gleichen Modus auf Kassette aufgenommen. So saß ich in jeder Mittagspause vor dem Recorder und lernte. Manchmal wurde ich sogar mit Telegraphie geweckt! Im Februar 1988 war ich soweit, dass ich in 125 Dreiergruppen maximal 10 Fehler machte, worauf ich mich zur Prüfung anmeldete, mit der Anmerkung, sie in gewohnter Umgebung an meiner Station machen zu können.

Nach langem Warten wurde dann der 06.05.1988 als Prüfungstermin festgesetzt. Da wir gerade in diesen Tagen umzogen, musste ich meine Prüfung in unserem nun leergeräumten Hause "meistern"! Mein Lehrer kam früher, nahm mir etwas Aufregung ab und versicherte mir, dass ich es schaffe! Im selben Augenblick klingelte es an der Haustür und meine Mutter führte die beiden Prüfer in mein Zimmer, wo wir uns erst mal bekannt machten. Es war sehr beruhigend, dass die Prüfer der Sache gelassen ins Auge sahen. Nach einigen Umbauten und Erklärungen bezüglich unserer Übungsstunden ging's los. Zunächst wurden mir zwei Zeichen aus einem Buch heraus in Telegraphie gegeben. Etwas zögernd erwiderte ich richtig, was gegeben wurde. Die darauffolgenden Zeichen erkannte ich alle, und die Augen der Prüfer wurden immer größer. Als die zuletzt gegebene Gruppe mit sogar 4 Zeichen von mir richtig erkannt wurde, zogen sich die Prüfer zu einem Informationsaustausch zurück. Unbeschreibliche Gefühle machten sich in mir breit und es lief mir zugleich heiß und kalt über den Rücken. Mein Lehrer beruhigte mich, indem er mir zu verstehen gab, dass ich 0 Fehler und die Lizenz so gut wie in der Tasche hätte. Dann, es war unheimlich spannend, kamen sie wieder und fragten, wie ich mir die Praxis vorstelle! Ich erwiderte aufgeregt, dass ich zunächst Sprechfunk praktiziere und später per Computer auch in Telegraphie aktiv sein werde. Spontan und voll Freude händigten sie mir meine neue Lizenz mit dem langersehnten Rufzeichen DL 1 EEZ aus und gratulierten mir!


Die Freude mit viel, viel Geduld und Kraft eines meiner größten Ziele im Leben erreicht zu haben, ist immer noch sehr groß. Ich machte dann meine ersten Kontakte an der Club-Station meines damaligen Ortsverbandes, R 11, Neuss und hatte ein sehr nettes englisches Gespräch mit einem Kanadier! Am 17.12.1988 bekam ich meine eigene Station, FT 747 GX und eine Groundplaneantenne und habe schon alle Kontinente erreicht. Ich freue mich sehr, dass ich trotz meiner etwas schwierig zu verstehenden Sprache weltweit so gut verstanden werde. Seit 1992 wohne ich hier in Wetter-Volmarstein und bin stolzer Besitzer einer Genehmigung der Einrichtung. Ich bin Mitglied des DARC Ortsverbandes Hagen O08 und fühle mich dort wohl. Im Laufe der Zeit hat sich eine schöne Ausrüstung angesammelt.  Seit August 2010 besitze ich den FT950 von Yaesu für Kurzwelle und seit Juli 2014 den TS-790E für UKW, welche ich beide über meine Computer steuere und weltweit gute Verbindungen habe! Ich bin auf (fast) allen Amateurfunkbändern von 3,5 bis 1298 Mhz in SSTV, FAX, RTTY, PSK, Packet Radio, APRS und natürlich in Fonie QRV!!!

Seit dem 23.09.2015 habe ich auch ein Ausbildungsrufzeichen DN 1 EEZ und freue mich darauf Menschen für mein Hobby begeistern und ausbilden zu können!

Ich freue mich, wenn wir uns auf den Bändern treffen

vy 73's Dirk Pfeiffer, D L 1 E E Z